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Lauter Kroaten in Berlin: Rot-weiße Vorfreude aufs EM-Spiel gegen Spanien – und alle lieben Luka Modrić

Lauter Kroaten in Berlin: Rot-weiße Vorfreude aufs EM-Spiel gegen Spanien – und alle lieben Luka Modrić

© dpa/Sebastian Gollnow

Update Lauter Kroaten in Berlin: Rot-weiße Vorfreude aufs EM-Spiel gegen Spanien – und alle lieben Luka Modrić

Zehntausende Fans pilgern zum Olympiastadion: Berlin erlebt am Samstag sein erstes Spiel bei der Fußball-EM. Viele Fans sind von weit her angereist – auch wenn nicht alle ein Ticket haben.

Von

  • Ingo Salmen

Mit dem 5:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Schottland ist auch Berlin am Freitagabend in die Fußball-EM gestartet. Zehntausende feierten allein auf der Fanmeile den Sieg. Doch so richtig beginnt die Europameisterschaft in der Hauptstadt an diesem Samstag: Um 18 Uhr findet nämlich im Olympiastadion das erste Berliner Spiel statt – Spanien gegen Kroatien.

Die Fans sind schon den ganzen Tag in der Stadt unterwegs. Viele treffen sich am Breitscheidplatz, um von dort gemeinsam zum Stadion zu fahren. Die Kroaten wollten erst zu Fuß zum Stadion ziehen, ein organisierter „Fan Walk“ – doch das wurde abgeblasen. S- und U-Bahn sind doch bequemer.

Zuerst zog es die Kroaten zum Potsdamer Platz – denn dort, im Hotel Ritz-Carlton, hat ihr Team übernachtet. Dass es sich um das Teamhotel handelt, ist am Mittag schon durch den Mannschaftsbus der kroatischen Elf erkennbar, der vor dem Gebäude platziert ist. Die Polizei hat den Zugang zum Hotel abgesperrt, doch das stört die Fans nicht: Zu Hunderten feiern sie ihre Idole, singen oder machen Fotos, eine entspannte Atmosphäre.

Mittendrin steht Mario Sanya. Er hat gleich zwei Karten für das Spiel gegen Spanien ergattert, er hat ja auch jeweils zwei Tickets für die Spiele der Kroaten in Leipzig gegen Italien und in Hamburg gegen Albanien. Wenn einer die kroatische Nationalmannschaft zu fast allen Länderspielen begleitet, ist das kein Problem. Ein Edelfan erhält bevorzugt Tickets. Mario Sanya wird mit seinem zwölfjährigen Sohn Rafael zu den Partien gehen.

Und natürlich trägt Mario Sanya aus Zagreb auch das weiß-rot gemusterte Trikot seines Teams. Seine Frau Isabella und seine Kinder selbstverständlich auch. Aber Tochter und Mutter können das Spiel nur in der Fanmeile am Brandenburger Tor anschauen, vier Karten hat nicht mal der Papa als Edelfan erhalten.

Berlin ist sehr sauber, hier ist alles in Ordnung, die Leute sind sehr höflich.

Isabella Sanya, Fußball-Fan aus Kroatien

Isabella Sanya stört das nicht im Geringsten, sie hat genauso gerne die Stadt angeschaut. Reichstag, Brandenburger Tor, eine Spreefahrt steht auch auf dem Programm, sie sind ja noch ein paar Tage hier. „Berlin“, sagt Isabella Sanya, „ist sehr sauber, hier ist alles in Ordnung, die Leute sind sehr höflich.“

Rafael, der Sohn, ist sehr geschichtsinteressiert, er referiert beeindruckend zur jüngeren deutschen Geschichte. Seine erste Frage betrifft die historischen Orte in Berlin, die man anschauen kann.

Lauter Kroaten in Berlin: Rot-weiße Vorfreude aufs EM-Spiel gegen Spanien – und alle lieben Luka Modrić

© Frank Bachner

Der Vater kennt Berlin, ihn interessiert jetzt mehr der Fußball. Und er hat eine „sehr einfache“ Antwort auf eine gar nicht so einfache Frage: Wer wird Europameister? „Natürlich Kroatien“, sagt er in einem Ton, als leierte er den Wetterbericht herunter. Kroatien im Finale? Natürlich wäre er auch dann dabei. Als Edelfan bekommt er über den kroatischen Fußballverband Karten für so ein Spiel.

Natürlich tragen alle das Nationaltrikot

Marlena Pamic-Cus, ihre Söhne Anton und Luka, sowie ihr Mann und ihre Schwester Martina aus Istrien haben keine Karten für das Spanien-Spiel, sie werden das Match in der Fanzone verfolgen. Aber erst mal verfolgen sie, wie Polizisten den kroatischen Bus umringen und andere Fans sich vor dem Hotel versammeln. Natürlich tragen sie das kroatische Nationaltrikot, auch Anton, obwohl er erst zwei Jahre alt ist und keinen Schimmer hat, weshalb seine Eltern so aufgeregt sind.

Lauter Kroaten in Berlin: Rot-weiße Vorfreude aufs EM-Spiel gegen Spanien – und alle lieben Luka Modrić

© Frank Bachner

Luka verdankt seinen Namen (zu einem gewissen Teil jedenfalls, sagt die Mutter) Luka Modrić, dem kroatischen Superstar von Real Madrid. Modrić ist jetzt 38 Jahre alt, er hat mit Real gerade die Champions League gewonnen, die EM wird sein letztes großes Turnier sein.

Der kleine, schlaksige Modrić hat unter den übrigen kroatischen Stars einen Sonderstatus. Er hat nicht bloß eine beeindruckende Karriere hinter sich, „er ist auch“, sagt Martina Pamic, „eine Gesamtpersönlichkeit, er hat Ausstrahlung, Charme, er ist auch ein Familienmensch“.

Und Berlin empfindet die gesamte Familie als sehr angenehm. „Alles sehr sicher, alles sehr sauber, sehr höfliche Leute.“ Seit Dienstag sind sie in der Hauptstadt, sie haben bereits ein enormes Programm abgespult: East Side Gallery, Unterwelten, Checkpoint Charlie, Brandenburger Tor. Am Dienstag werden sie wieder nach Istrien zurückfliegen.

Valentino aus Zagreb hat den Namen Modrić breit auf seinem Sweatshirt stehen. Gemeinsam mit Vater Goran hofft er, „dass Modrić mit Kroatien den Titel holt“. Modrić sei einfach einer der besten Spieler in Europa, vor allem sei es sein letzter großer Auftritt. Er und sein Vater haben Tickets fürs Spanien-Spiel, sie können ihr Idol auf der Tribüne anfeuern.

Lauter Kroaten in Berlin: Rot-weiße Vorfreude aufs EM-Spiel gegen Spanien – und alle lieben Luka Modrić

© dpa/Sebastian Gollnow

Und beide loben Berlin, sie loben die „sehr schöne Atmosphäre“, sie loben „die entspannten Leute und die Sauberkeit in der Stadt“. Und obwohl er glühender Kroatien-Fan ist, sagt Goran etwas in diesem Moment Ungewöhnliches: „Wichtiger als das Resultat ist die entspannte Atmosphäre hier.“

Fanmeile nach Alarm: Nichts unbeaufsichtigt stehenlassen

Wer keine Karten fürs Olympiastadion hat, kann sich auch am Samstag das Spiel auf der Fanmeile am Brandenburger Tor anschauen. Die Zugänge sind seit 14 Uhr geöffnet. Die Empfehlung der Verkehrsinformationszentrale: Fans sollten mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, da es keine Parkplätze in der Nähe gibt. Berliner werden das wissen.

Die Berliner Polizei wies darauf hin, für den Besuch von Fanmeile am Brandenburger Tor und Fanzone am Reichstag „keine großen Taschen (nicht größer als DIN-A4 Format) mitzubringen oder Gepäckstücke unbeaufsichtigt stehenzulassen“.

Hintergrund ist ein Alarm vom späten Freitagnachmittag, als ein verdächtiger Rucksack zur Evakuierung des Eingangsbereichs zur Fanzone in der Nähe des Reichstags führte. Nach zwei Stunden gab die Polizei jedoch Entwarnung.

„Wir begrüßen alle Fans aus Spanien und Kroatien und wünschen viel Fußballfreunde“, schrieb die Polizei am Samstagmittag bei X. Man sei „immer noch euphorisiert“ vom Spiel am Vorabend. Ob das nun fürs Socialmedia-Team der Polizei oder alle Einsatzkräfte gilt, blieb offen.

Innen- und Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) zeigte sich erleichtert über den friedlichen Auftakt der Feierlichkeiten. „Die Leute sind entspannt gewesen, das ist toll und das hat auch die Beruhigung gebracht, auch bei mir“, sagte sie am Samstag auf der Fanmeile. „Es war so, wie ich es mir eigentlich erträumt habe, erhofft habe.“ Die Stimmung sei „sagenhaft toll“ gewesen, sagte Spranger.

„Die absolute Sicherheit kann es nicht geben und gibt es auch nicht“, sagte Spranger zum Alarm vom Freitag. Berlin sei aber „super gut“ vorbereitet, das habe die schnelle Reaktion der Sicherheitskräfte nach dem Rucksackfund bewiesen. Besucher sollten sich nicht verunsichern lassen. Die strengen Einlasskontrollen etwa, die für die Fanzonen gelten, seien für Veranstaltungen dieser Größenordnung normal.

Freitagabend: Polizei geht gegen kroatische Fans vor

Trotz der positiven Bilanz der Senatorin gab es zum Auftakt ein paar Zwischenfälle: Im Verlauf des Freitags nahmen Einsatzkräfte bei 36 Personen Freiheitsbeschränkungen vor und leiteten 19 Strafermittlungsverfahren ein, unter anderem wegen des Verdachts der Beleidigung, des Diebstahls, der Körperverletzung, des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz sowie der Volksverhetzung. Das teilte die Polizei am Samstag mit.

Nach Ende des Eröffnungsspiels versammelten sich demnach auch vor dem Holocaustmahnmal, im Bereich der Kreuzung Hannah-Arendt-Straße/Ebertstraße, 300 bis 400 kroatische Fans. Aus der Gruppe heraus seien vereinzelt Flaschen gegen eintreffende Polizeifahrzeuge geworfen und Pyrotechnik gezündet, schrieb die Polizei. Die Einsatzkräfte hätten unmittelbaren Zwang „durch Schieben und Drücken“ angewendet, um die Situation zu beruhigen. (mit dpa)

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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