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Umstrittener Wolfsgruß massenhaft gezeigt: Polizei bricht türkischen Fanmarsch durch Berlin vorzeitig ab

Umstrittener Wolfsgruß massenhaft gezeigt: Polizei bricht türkischen Fanmarsch durch Berlin vorzeitig ab

© Julius Geiler

Umstrittener Wolfsgruß massenhaft gezeigt: Polizei bricht türkischen Fanmarsch durch Berlin vorzeitig ab

Am Abend spielt bei der Fußball-EM im Berliner Olympiastadion die Türkei gegen die Niederlande. Beim Fanmarsch zum Stadion wurde es für die Polizei zu politisch: Es kam zum Abbruch.

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Die Berliner Polizei hat am Samstagnachmittag den Fanmarsch der türkischen Fußball-Anhänger Richtung Olympiastadion vorzeitig beendet. Grund war nach Angaben einer Polizeisprecherin das massenhafte Zeigen des Wolfsgrußes während des Umzugs durch den Berliner Westen. Der Fanmarsch sei keine politische Versammlung, um politische Botschaften zu äußern, müsse eine eigene Demonstration angemeldet werden, erklärte die Sprecherin.

Der Abbruch kam für viele türkische Fans völlig überraschend. Eine Begründung war von der Polizei zunächst nicht kommuniziert worden. Eigentlich hätte der Marsch vom Treffpunkt der türkischen Anhänger bis zum Bahnhof Charlottenburg führen sollen. Weil der Weg vom Breitscheidplatz zum Olympiastadion, wo die türkische Mannschaft ab 21 Uhr im EM-Viertelfinale auf die Niederlande trifft, zu lang gewesen wäre, sollten die Fans von dort für das letzte Stück die S-Bahn nehmen.

Doch schon vor Erreichen des Bahnhofs erklärte die Polizei den Marsch für beendet. Während einige Minuten lang über Lautsprecher noch von polizeilicher Seite bekannt gegeben wurde, dass die türkischen Anhänger bis zu den S-Bahnen begleitet werden, hieß es nun plötzlich, der March sei vorzeitig abgebrochen. Die Fans sollten sich zügig von der Fahrbahn auf die Gehwege begeben.

Bereits kurz nach Beginn des Fanmarsches hatte die Polizei diesen für kurze Zeit gestoppt, weil zunehmend der Wolfsgruß gezeigt worden war. Die Polizei habe die Fans aufgefordert, den Marsch nicht für politische Meinungsäußerungen zu nutzen, teilte die Behörde auf der Plattform X mit.

Dem Fanmarsch voran lief ein großer, schwarz gekleideter Block organisierter Fußball-Ultras.

Zuvor hatten sich tausende Anhänger des türkischen Nationalteams rund um den Breitscheidplatz versammelt und ein Fanfest gefeiert. Rund 4500 Fans waren nach Polizeiangaben gegen 16 Uhr vor Ort, bei anhaltendem Zustrom. Der Verkehr rund um den Platz kam zum Erliegen, Tauentzien- und Budapester Straße wurden gesperrt. Auch die umliegenden Restaurants waren voller türkischer Fußballfans, freie Tische Mangelware. Großer Jubel brandete auf, als ein niederländischer Fan auf eine Laterne kletterte und mit der türkischen Flagge wedelte.

Die Feierlichkeiten der türkischen Fans dürften gleichzeitig ein Vorgeschmack dafür sein, was am Abend im Olympiastadion droht. Der viel diskutierte, nationalistische Wolfsgruß war bereits beim Fanfest ständig präsent. Immer wieder reckten Dutzende Anhänger ihre Finger in den Himmel und formten das Symbol der rechtsextremen Gruppierung.

Auf dem Plakat eines Fans waren die Wörter „UEFA Mafia“ zu lesen. Eingebettet war der Schriftzug in zwei Hände, die den Wolfsgruß formen. Dazwischen war der türkische Halbmond zu sehen. Angespielt wurde mit dem Plakat offenbar auf die UEFA-Sperre des türkischen Spielers Merih Demiral, der den Gruß bei einem Torjubel im Achtelfinalspiel gegen Österreich gezeigt hatte. Das Plakat wurde viel fotografiert und von Fans wiederum mit dem Wolfsgruß kommentiert.

Erdogan sollte gegen 17.30 Uhr eintreffen

Die Sorge vor einer Eskalation und Ausschreitungen besonders nach dem Spiel ist groß. Rund 3000 Beamte sind laut Polizei rund um das Spiel im Einsatz. Von einer Hochrisikopartie ist die Rede. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will das Spiel am Sonnabend besuchen. Wie der Tagesspiegel aus Sicherheitskreisen erfuhr, wurde Erdogans Ankunft gegen 17.30 Uhr am Berliner Flughafen BER erwartet.

Umstrittener Wolfsgruß massenhaft gezeigt: Polizei bricht türkischen Fanmarsch durch Berlin vorzeitig ab

© dpa/Christoph Soeder

Zudem haben türkische Fußball-Ultras zum Zeigen des Wolfsgrußes beim Abspielen der Nationalhymne im Stadion aufgerufen. Als Graue Wölfe werden die Anhänger der rechtsextremistischen Ülkücü-Bewegung bezeichnet, die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Türkische Mannschaft mit Wolfsgruß empfangen

Etwa 200.000 Menschen mit türkischen Wurzeln leben in der deutschen Hauptstadt. Bereits am Freitagabend begrüßten Fans die türkischen Spieler bei ihrer Ankunft im Hotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz mit dem Wolfsgruß.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnte am Sonnabend mit Blick auf den Wolfsgruß-Aufruf der Ultras davor, das Spiel zu politisieren. „Politik hat keinen Platz auf dem Spielfeld. Erst recht nicht, wenn in ihrem Zentrum menschenverachtende Symbolik zum Ausdruck gebracht wird“, sagte der GdP-Bundeschef Jochen Kopelke. Aufgebrachte türkische Fans müssten sich mäßigen. „Es handelt sich um ein Hochrisiko-Spiel. Das stellt unsere Kolleginnen und Kollegen vor besondere polizeiliche Herausforderungen“, sagte er.

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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