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Blutiger Alpenwestern: „Das finstere Tal“ rockt die Berlinale mit Action pur!

Schnee und Gewalt: Andreas Prochaskas Winter-Western „Das finstere Tal“ ist zugleich atmosphärischer Genrefilm und mehr als das. Das liegt zum einen an der guten Romanvorlage – zum anderen am Mut zu Dialekt.

"Das finstere Tal" auf der Berlinale : Alpenwestern ohne Gnade

Mann mit Mission: Sam Riley in „Das finstere Tal“Foto: X-Verleih

Das Dorf, um das es geht, braucht keinen Namen. Denn alles, was geschieht, geschieht eh nur mit dem Willen der Brenners. Sechs Söhne hat der alte Brenner-Bauer, sie sorgen dafür, dass sein Wille Gesetz ist im Dorf.

Bald wird auch Luzi (Paula Beer) diesen Willen zu spüren bekommen – denn sie wird heiraten, und Hochzeiten sind hier mit einer schlimmen Tradition verknüpft. An einem Tag im Spätherbst, kurz bevor der Winterschnee das Dorf einschließt, taucht ein Fremder auf, ein Fotograf aus Amerika. Doch Greider (Sam Riley) hat nicht nur seinen Fotokasten dabei. Er hat auch ein Gewehr. Und er ist alles andere als nur auf der Durchreise.

„Das finstere Tal“ ist ein wuchtiger Schneewestern, gedreht im eisigen Schnalstal in Südtirol. Ein Film also mit beachtlichem Schauwert, aber anders, als zu befürchten war. Auf lange Schwenks übers luftige Bergpanorama wartet man hier vergeblich, meist sieht man die Berge nur als gewaltige, grau- weiße Schemen: Regisseur Andreas Prochaska lässt seinen Kameramann Thomas W. Kiennast fast alle Tiefenschärfe aus den Bildern herausnehmen. Es herrscht beinahe ein expressionistisches Schwarzweiß, gemischt nur mit dem schmutzigen Braun des Holzes und dem gelben Schimmer der Gaslampen. Vielleicht wollten Prochaska und Kiennast die Bildästhetik früher Kameras imitieren – sie schaffen so jedenfalls unter freiem Himmel eine erdrückende Enge. Da braucht es keine Lawinen mehr zum Ersticken.

Klirren der Sporen, Knirschen des Schnees

Auch auf die Tonspur wurde offenbar viel Mühe verwendet. Das Klirren der Sporen, die Totenglocke, das Echo der Schüsse – aber eben auch: das Knirschen des Schnees unter den schweren Stiefeln – alles trägt zur Atmosphäre bei.

Prochaska gelingt es ganz ausgezeichnet, die Spannung hochzuhalten, mit einem Gespür für Rhythmus, wie man es in deutschsprachigen Genre-Filmen selten sieht. Das Tempo ist nicht hoch, hat fast etwas Getragenes, als ob schwerer Schnee den Gang der Dinge verschleppt. Und dennoch hängt der Film nie durch.

„Das finstere Tal“ beruht auf dem gleichnamigen Romandebüt des Journalisten und Filmkritikers Thomas Willmann von 2010. Die ganze Geschichte – ein Western in den Alpen – ist also schon sehr filmisch erdacht, und doch ist es nicht selbstverständlich, dass ein Roman so geschickt ins Bildmedium gehievt wird wie hier geschehen.

Greider ist im Film nicht Maler, sondern Fotograf, und erzählt wird das Ganze jetzt aus der Sicht von Luzi, deren Stimme dezent dosiert als Erzählerin aus dem Off eingesetzt wird – mit Dialekt. „Das finstere Tal“ gewinnt dadurch eine weitere Farbe: die einer im Volkston erzählten Schauergeschichte. Und es hilft, die beiden Stränge – Rachestück und Heimatdrama – gut zu verknüpfen. So muss man Genre hierzulande machen: jede Regel, jedes Detail prüfen, ob es passt, zum Ort und zu der Zeit. Dann anpassen oder weglassen.

Grenze zur Western-Parodie

Schade ist, dass der Film im letzten Drittel an Kraft verliert. Schuld daran sind einige nachlässig geschriebene und wenig plausible Szenen. Schlimmer aber ist, dass die Western-Elemente sich nicht mehr so nahtlos mit dem Alpendrama verbinden, sondern teils ungut aus dem Film herausstechen. Etwa wenn Greider zu den Brenner-Brüdern sagt: „Wir sehen uns morgen, bei Sonnenaufgang vor eurem Hof“.

Hier überschreitet „Das finstere Tal“ hin und wieder die Grenze zur Western-Parodie, das hätte den Filmemachern beim Dreh unbedingt auffallen müssen. Auch Sam Riley (bekannt aus „Control“), der seine Figur bis dahin recht geschickt im Geheimnisvollen gehalten hatte, gibt sich nun ein bisschen zu viel Mühe, finster über die Schulter zu gucken. Aber der grandiose Shoot-Out – Greider gegen vier Brenner-Söhne an einer winzigen Waldhütte – ist dann wieder so gut, dass er für alle Nachlässigkeiten entschädigt.

15.2., 21.30 Uhr (Friedrichstadt-Palast) und ab 13.2. im Kino

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

5 Kommentare
  1. EmilyDavis sagt

    As a fan of Western movies, I must say that „Das finstere Tal“ exceeded my expectations. The combination of snow and violence created a unique atmosphere that kept me engaged throughout. The portrayal of the Brenner family’s control over the village was chilling, and Greider’s arrival added a thrilling twist to the story. The cinematography, with its stark colors and intense focus, added to the overall feeling of unease in the film. Definitely a must-watch for fans of the genre!

  2. JuliaMaus82 sagt

    Ich frage mich, warum der Fremde ein Gewehr mit sich trägt – hat das eine spezielle Bedeutung im Zusammenhang mit der Tradition des Dorfes?

    1. KlausMueller77 sagt

      JuliaMaus82, ja, das Gewehr des Fremden hat eine sehr spezielle Bedeutung im Zusammenhang mit der Tradition des Dorfes. Es ist ein Symbol für Macht und Stärke, und es deutet darauf hin, dass Greider nicht einfach nur ein Fotograf ist, sondern auch bereit ist, für seine Mission zu kämpfen. Die Präsenz des Gewehrs spiegelt die Spannung und die tief verwurzelten Konflikte wider, die im Dorf herrschen. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich diese Dynamik im Verlauf des Films entfaltet.

  3. Johanna Müller sagt

    Ein fesselnder Artikel! Es freut mich zu sehen, dass „Das finstere Tal“ die Berlinale rockt. Ich liebe Filme, die sich trauen, etwas mehr als nur oberflächliche Action zu bieten. Die Atmosphäre und die Verwendung des Dialekts machen diesen Film zu einem echten Genuss. Ich werde definitiv nicht verpassen, ihn anzuschauen!

  4. AnnaM sagt

    Der Film „Das finstere Tal“ ist definitiv ein beeindruckender Streifen. Die Kombination aus atmosphärischer Inszenierung, spannender Handlung und mutiger Verwendung von Dialekt macht ihn zu einem Meisterwerk. Die Darstellung der Brenner-Söhne und die Einführung des geheimnisvollen Greider fesseln von Anfang an. Ein gelungener Alpenwestern mit einer düsteren Note, der die Berlinale mit Action pur rockt!

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