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„Was ist bloß mit den Unis los?“: So denkt die Tagesspiegel-Gemeinde über Manja Schreiners Rücktritt

„Wo bleibt die Kritik an den Unis?“: Das denkt die Tagesspiegel-Community über den Rücktritt von Manja Schreiner

© dpa/Christoph Soeder

„Wo bleibt die Kritik an den Unis?“: Das denkt die Tagesspiegel-Community über den Rücktritt von Manja Schreiner

Die Berliner Verkehrssenatorin Manja Schreiner ist nach der Aberkennung ihres Doktortitels zurückgetreten. Unsere Leser fragen sich: Warum fallen Plagiate den Betreuern nicht früher auf?

Von

  • Sami Künne

Berlins Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) hat nach einer Aberkennung ihres Doktortitels durch die Universität Rostock ihren Rücktritt erklärt. „Dies tue ich, um Schaden vom Berliner Senat abzuwenden“, sagte die 46-Jährige am Dienstag vor Journalisten.

In Ihrer nur etwas über ein Jahr währenden Amtszeit wurde die Verkehrspolitik der Senatorin oft zum Gegenstand kontroverser Debatten, vor allem in Hinblick auf das Verhältnis zwischen Auto- und Radverkehr. Insbesondere der „Radwegestopp“ und die Wiedereinführung von Tempo 50 auf vielen Berliner Hauptstraßen brachten ihr harsche Kritik von Opposition und Radaktivisten ein.

Unsere Leserinnen und Leser haben Ihren Rücktritt diskutiert und ziehen Bilanz. Welche Konsequenzen sollten fälschlich verliehene akademische Titel für Politiker haben? Wieviel Schuld tragen die Universitäten? Wie wird der Rücktritt Schreiners, auch im Hinblick auf ähnliche Fälle in der Vergangenheit, bewertet? Welche Fußstapfen hinterlässt sie? Lesen Sie hier eine redaktionelle Auswahl an Kommentaren aus der Tagesspiegel-Community. Was wäre Ihre Meinung zum Thema?

Redworld
Immerhin besitzt die Frau so viel Anstand, von ihrem Amt zurückzutreten, anders als andere unrühmliche Beispiele der jüngeren Vergangenheit, die trotz Betrug von einem Amt ins nächste fallen. An der fatalen autozentrierten Verkehrspolitik wird sich vermutlich trotzdem nichts ändern, bis die Stadt wortwörtlich am Autoverkehr erstickt. Vielleicht wird Berlin ja irgendwann in den nächsten Jahrzehnten im 21. Jahrhundert ankommen, aber bis dahin ist noch ein weiter Weg.

Saskia
Ich bin entsetzt, wie wenig all denjenigen, die jetzt auf Schreiner, Giffey & Co einschlagen, die Fachlichkeit der Kritisierten in ihrer Position wert ist. Diese ist ganz unabhängig von der Doktorarbeit, zu der nach Jahrzehnten i.d.R. kein Bezug mehr besteht und die mit ganz anderen technischen Möglichkeiten erstellt wurde.

Überall und für jede*n gibt es zweite, dritte usw. Chancen. Aber wahrscheinlich ist es genau das Ziel der selbsternannten Plagiatsjäger: Personen im politischen Leben mit Dreck bewerfen und damit ihre politische Wirkungskraft neutralisieren.

Mich wundert die ausbleibende Fundamentalkritik an den Universitäten, die solche Arbeiten scheinbar durchwinken. Dort gab es Doktorväter/-mütter und Kommissionen. Wie schlecht haben diese denn ihren Job gemacht?

Für mich werten die bisher veröffentlichten Beispiele alle wissenschaftlichen Titel per se ab. Woher soll ich wissen, ob das Verfahren okay war?

avanti5719
Der Doktortitel ist eigentlich ein Meilenstein in einer wissenschaftlichen Karriere und sollte nicht als „schmückendes Beiwerk“ missbraucht werden. Ich wäre sehr dafür, alle Doktorandinnen und Doktoranden stärker in ihre Institute einzubinden.

Warum sollte ich jemandem politisch vertrauen, der mich bei seinem akademischen Grad belügt?

Tagesspiegel-Leserin esther.rose

Obligatorische Teilnahme an Kolloquien, wo über den Stand des Forschungsprojektes berichtet werden muss, Übernahme von Tutorien und Lehrveranstaltungen für Erstsemester, etc. pp. Im Gegenzug (Teilzeit-) Stellen und Stipendien. Das wäre das Ende dieser jämmerlichen Feierabend-Dissertationen.

Rumpelrumpel
Diese Häufung von Plagiaten bei Dissertationen scheint einer an den deutschen Universitäten weit verbreiteten schludrigen Arbeitsweise zu liegen. Warum fallen vielen Doktorvätern und -müttern die Plagiate nicht während der Betreuung auf? Sollten die nicht fachlich qualifiziert sein, solche Arbeiten zu betreuen und dadurch auch Plagiate zu erkennen?

Mostrichmeister
Überhaupt ist das mit der Verantwortungsübernahme so eine Sache. Soweit mir bekannt, ist bisher kein prominenter Dissertationsbetrüger von sich aus aktiv geworden, sondern hat immer erst dann reagiert, wenn Dritte die Verfehlungen aufdeckten. Wer wirklich verantwortungsbewusst ist, betrügt erst gar nicht oder macht sich aus eigenem Antrieb ehrlich. Und wartet nicht, ob man erwischt wird oder es keiner merkt.

Denk_mit
Ihre Politik fand ich rückwärtsgewandt. Aber im Gegensatz zu anderen ist sie konsequent und verdient dafür Respekt.

Unangemessen
Endlich! Berlin verdient eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik und die dreht sich nicht um den motorisierten Individualverkehr, sondern muss einen Übergang hin zu menschen- und umweltgerechteren Arten der Mobilität organisieren. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass der CDU-geführte Senat dies nun plötzlich erkennt und verwirklicht, aber die Personalie Schreiner hat die politischen Irrwege durch haarsträubende fachliche Inkompetenz noch unnötig verschärft.

esther.rose
Warum sollte ich jemandem politisch vertrauen, der mich bei seinem akademischen Grad belügt? So wie zu Guttenberg und andere, hat auch Frau Schreiner sich als unwürdig erwiesen.

sweview
Schade. Gute Senatorin und glaubwürdig.
Und nun konsequent. Hut ab vor dieser schnellen Entscheidung!

sct
Sehr Schade. Manja Schreiner war die erste Verkehrsenatorin, die mal nicht auf das Auto eingeprügelt hat. Sie hat geliefert, wofür die Leute, besonders die in den Außenbezirken, gewählt haben. Ich hoffe es kommt jemand nach, der die Verkehrspolitik der Ausgewogenheit genauso weiter führt.

Herr-Rechtsanwalt
Ihre Politik wird mir nicht fehlen. Während andernorts Städte und Länder ihre Mobilität umstellen, Luft und Lebensqualität verbessern (also die Welt verbessern), hat sich Berlin mit ihr und ihrem Autochef für den Rückwärtsgang entschieden.

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

3 Kommentare
  1. Sophie Müller sagt

    Immerhin besitzt die Frau so viel Anstand, von sich aus zurückzutreten, anstatt auf Druck der Öffentlichkeit zu warten. Ein solches Verhalten sollte bei Politikern selbstverständlich sein.

  2. Anna Müller sagt

    Immerhin besitzt die Frau so viel Anstand, von ihrem Amt zurückzutreten. Es ist bedauerlich, dass die Unis solche Fälle von Plagiaten nicht früher erkennen. Eine kritische Überprüfung der akademischen Titel von Politikern sollte obligatorisch sein, um das Vertrauen der Bevölkerung nicht zu verlieren.

  3. Martina Berger sagt

    Immerhin besitzt die Frau so viel Anstand, von ihrem Amt zurückzutreten. Es ist bedauerlich, dass Plagiate so lange unentdeckt bleiben und die Universitäten scheinbar keine ausreichenden Kontrollmechanismen haben. Hoffentlich wird dieser Fall zu einer eingehenden Überprüfung der Vergabeprozesse von akademischen Titeln in der Politik führen.

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