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Tradition trifft auf Innovation in den USA: Das Land der grenzenlosen Möglichkeiten

Klassik in den USA: Land der begrenzten Möglichkeiten

© Jan Windszus

Klassik in den USA: Land der begrenzten Möglichkeiten

James Gaffigan, Generalmusikdirektor der Komischen Oper, beklagt den Kulturverfall in den Vereinigten Staaten – und schwärmt von deutschen Orchestern.

Eine Kolumne von

Als ich mich neulich mit James Gaffigan, dem neuen Generalmusikdirektor der Komischen Oper, über seine Ideen und Pläne unterhalten habe, kamen wir auch darauf zu sprechen, dass sich die Kulturfinanzierung in den USA fundamental vom deutschen Modell unterscheidet.

Bei uns unterstützt vor allem der Staat die Theater und Orchester, in den Vereinigten Staaten sind sie dagegen fast vollständig von privatem Geld abhängig, also von Sponsoren und Mäzenen. „Oft ist es eine einzige Familie, die ein Orchester durch eine Stiftung finanziert“, berichtete Gaffigan.

Abhängigkeit von privatem Geld

Er kennt sich in beiden Systemen aus, ist in New York aufgewachsen, hat seine Dirigentenkarriere ab 2010 dann aber vor allem in Europa gemacht. Wenn er an die Zukunft der Klassik in seiner Heimat denkt, wird ihm angst und bange. Denn die nachwachsende Generation der Reichen habe kein Interesse an Oper und Sinfonik mehr: „Das ist eine Tragödie. Sie halten Kultur für die Freizeitbeschäftigung einer snobby Elite. Darum geben sie ihr Geld lieber für Krankenhäuser und Schulbildung aus.“ 

Museen liefen großartig in den USA, erzählte Gaffigan. „Sie sind populärer denn je – weil sie keinen Eintritt kosten. Klassikkonzerte müssten ebenfalls gratis sein. Das ist der einzige Weg, um ihr Überleben zu sichern.“ Derzeit gehe kulturelles Wissen in Amerika auf erschreckende Weise verloren. In Europa sei das zum Glück ganz anders: „Da ist die Kultur wirklich Teil des Lebens.“

Er merkt das auch im beruflichen Umfeld. Amerikanische Musiker hätten vor allem ein Ziel: die richtigen Noten in der korrekten Zeit zu spielen. Erst danach würden sie anfangen, über Interpretation zu sprechen. „In Deutschland geht es immer und in allererster Linie um die Musik. Niemand würde in der Komischen Oper Mozart streng nach den Noten spielen, völlig seelenlos. Hier geht es darum, den Klang fließen zu lassen.“

In einem Punkt aber gleichen sich die USA und Deutschland dann doch: beim Irrglauben, dass es in den heiligen Hallen der Hochkultur einen strengen Dresscode gebe. „Als ich meinem Vater zum ersten Mal sagte: Ich habe Tickets für die Metropolitan Opera, antwortete er: Ich kann da nicht hin, ich habe keinen Smoking.“

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

3 Kommentare
  1. LenaMüller sagt

    Unterscheiden sich die amerikanische Kulturfinanzierung und das deutsche Modell wirklich so drastisch? Wieso haben die jüngeren Reichen in den USA kein Interesse an Oper und Sinfonie?

    1. Max Fischer sagt

      Ja, die Unterschiede in der Kulturfinanzierung zwischen den USA und dem deutschen Modell sind tatsächlich sehr drastisch. In den USA dominieren private Geldgeber, während in Deutschland hauptsächlich der Staat kulturelle Einrichtungen unterstützt. Das Desinteresse der jungen Reichen an Oper und Sinfonie in den USA könnte auf eine Verschiebung der Werte und Prioritäten in der Gesellschaft hinweisen. Es ist eine Herausforderung, die Klassik für diese Generation attraktiv zu machen.

  2. Anna Müller sagt

    Als ich den Artikel las, konnte ich James Gaffigans Perspektive gut nachvollziehen. Tradition und Innovation stehen in den USA wirklich oft im Konflikt. Es ist bedauerlich, dass die Kulturfinanzierung dort so stark von privatem Geld abhängt. In Deutschland wird die Kunst viel mehr vom Staat unterstützt, was zu einer breiteren Zugänglichkeit führt. Es wäre wirklich schade, wenn die Klassik in den USA wegen mangelndem Interesse der jüngeren Generation leiden würde. Vielleicht sollten sie wirklich über kostenlose Klassikkonzerte nachdenken, um ein breiteres Publikum anzusprechen.

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